25.-29.02.2016 | BONN

Over the Border

Informationen

Weltoffenheit und Internationalität gehören zu den Leit-begriffen der Bundes-, Wissenschafts-, Beethoven- und UN-Stadt Bonn. Bürgerinnen und Bürger vieler Nationen leben hier als fester Bestandteil einer Gemeinschaft, die sich auch kulturell entsprechend reflektiert sehen möchte. Das Bonner Kulturamt hat daher bewusst den Bereich der Weltmusik als eine der drei Säulen benannt, die neben Beethoven und Jazz die musikalische Szene der Stadt nachhaltig prägen sollen.

2GetherConcert hat nun nach vielen Gesprächen ein entsprechendes Festival konzipiert: Vom 25. bis 29. Februar 2016 wird erstmals das viertägige „OVER THE BORDER“- Festival stattfinden, bei dem innovative Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern die Klänge der Welt am Rhein zusammenführen.

Die Veranstaltungsreihe zielt darauf ab, musikalische Grenzgänger zu präsentieren, die die Stilistiken ihrer jeweiligen Heimat in einen breiteren Kontext einbetten: Künstle-rinnen und Künstler, die ihre musikalische Tradition mit der heutigen Realität verbinden. Ihnen allen ist gemein, dass sie den in Deutschland angestaubten Begriff der Weltmusik neu definieren, musikalische und geographische Grenzen überschreiten und nach neuen Wegen suchen, Tradition und Moderne zu vereinen. Voraussichtliche Austragungsorte sind u.a. die Harmonie, das Telekom-Forum, das Towns-hip sowie die Brotfabrik.

Mit Manuel Banha als Initiator und Organisator von „OVER THE BORDER“ nimmt ein echter Kenner der Szene das Heft in die Hand. Seit mehr als 25 Jahren ist er in der Region als Veranstalter aktiv, hat Künstlerinnen und Künstler wie Cesária Evora, Miriam Makeba, Baden Powell, Gilberto Gil, Rabih-Abou-Khalil oder Mariza präsentiert. Er besitzt die nötige Expertise, um zusammen mit engagierten Partnerinnen und Partner das „OVER THE BORDER“-Festival auf hohem Niveau zu realisieren und das internationale Flair Bonns auch musikalisch erkennbar zu machen.

Do 25.02.2016

WELCOME NIGHT

feat. The LOCAL AMBASSADORS

Veranstaltungsort: Harmonie Bonn
Einlass: 19:00 Uhr | Beginn: 19:30 Uhr

Das mehrtägige Festival Over the Border präsentiert an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Künstler aus den unterschiedlichsten Länder und Kulturen. Am Eröffnungsabend beginnen wir mit einem Willkommen-Set und präsentieren Künstler, die die hiesige Musiklandschaft prägen: THE LOCAL AMBASSADORS.

Roland Peil (Percussionist, u.a. bei 'Die Fantastischen Vier'), Waldemar Leczkowski (Begründer der legendären 'Sax in the City' Band) & Co. sind Protagonisten der Köln-Bonner Szene und spielen in den unterschiedlichsten regionalen und überregionalen Formationen. Als Solisten stellen Sie drei der interessantesten SängerInnen aus der Region vor:

Abi Odun (Nigeria) ist Mitbegründer der Brother Keepers und gilt als Pioneer der deutschen Reggae, Afrobeat & Soul Bewegung. Albert N’Sanda gehört zu den Neuentdeckungen des deutschen Soul und R'n'B. Trotz seiner Jugend hat er bereits unzählige Auftritte u.a. mit Montell Jordan, Panik Orchester oder Culcha Candela.

Melane Nkounkolo verkörpert afrikanische Musik auf ihre Art. Hinter ihrem 'Jazzy Afro-Pop' verbergen sich "Liebe, "Leid" und "Schmerz" vor allem aber "Leidenschaft". Die Grundlage hierfür wurde unter anderem an der Folkwang Musikhochschule in Essen gelegt. Geboren in Deutschland und mit kongolesischen Background verbindet sie afrikanische Rhythmen und Klänge mit europäischen Musikelementen.

Der zweite Set des Abends präsentiert den ersten internationalen Gast des Festivals.

Soom T – das ist der indo-britische Wirbelwind aus Glasgow. Wenn es diesen Begriff im englischen für das Arbeitspensum einer Person nicht schön gäbe, für Soom T hätte er erfunden werden müssen: prolific – fruchtbar und produktiv. Über 500 eigene Songs hat sie inzwischen komponiert und performed, sie hat Lieder für das Theater geschrieben, und zusammengearbeitet mit The Orb, Jamie Lidell und Tom Fire, um nur einige wenige herauszupicken. Dabei ist Soom T noch immer jung an Jahren, aber ihre Begeisterung für Musik begann schon in der Grundschule in Glasgow. Ihre Jugend verbrachte sie mit den Kopfhörern auf den Ohren und dem Sound von Public Enemy bis Ella Fitzgerald darunter. Ihr musikalisches Universum setzte Soom T noch in Teenie-Jahren um am Mikrophon auf Underground Raves, als Sängerin und MC in mehreren Bands, aber auch bei politischen Poetry Slams. Die schottisch-indische Lady hatte immer eine klare politische Meinung, für die Unterdrückten und Ausgegrenzten, sie ist Musikerin wie Aktivistin. So politisch fokussiert und engagiert sie sein mag – musikalisch lässt sie sich nicht eingrenzen – von Rap über Techno bis hin zu Banghra und weiter zu Gospel und Soul hat sie sich ausprobiert, wobei Reggae und Dancehall immer ihre stilistische Mitte blieben. Auf den Reggae-Summerjams steht ihr Name gleichberechtigt neben Sean Paul und Chronixx. Auf dem jüngsten Album des Franzosen Tom Fire ist sie mit zwei wunderbaren Gastauftritten vertreten, inzwischen ist Frankreich eine ihrer wichtigen Homesteads außerhalb Schottlands geworden, eine angesagte Plattenfirma hat sie unter Vertrag genommen.

Soom T kommt nach Bonn mit ihrem neuen Album „Free as a Bird“ und wird es erstmalig beim Over The Border Festival live mit ihrer vierköpfigen Band präsentieren.

Mirko Kamo (drums)
Emanuel Stanley (bass)
Sebastian Eichmeier (piano)
Waldemar Leczkowski (saxophon)
Vincent 'Themba' Goritzki (guitar)

Vocals:
Albert N’Sanda
Melane Nkounkolo
Abi Odun Odukoya

Very Special Guest:
Soom T & Band

Fr 26.02.2016

IRIT DEKEL & ELDAD ZITRIN

Last of Songs

Veranstaltungsort: Township Bonn
Einlass: 19:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr | ansch. Party mit World Music

    

Wie könnte er wohl aussehen, der vielleicht schönste, zumindest aber aufregendste Tag Ihres Lebens? Eventuell ja so: Sie frühstücken ganz légèr im Pariser Marais, suchen sich zum Lunch eine leicht verruchte Bar am Berliner Alexanderplatz der Zwanziger, gastieren dann am Nachmittag in einem Café am Wiener Burggraben, tanzen später ein wenig Tango in der Altstadt von Buenos Aires, lauschen im New York der frühen Fünfziger einigen Jazz-Koriphäen beim Whisky straight und dinieren dann koscher zu orientalischen Klängen unweit von Jerusalems Klagemauer. Nicht zu machen an nur einem Tag, meinen Sie? Da sind wir seit Kurzem aber völlig anderer Meinung, das geht nämlich sogar in viereinhalb Minuten, inklusive der sagenhaften Sprünge durch die Dekaden. Dazu braucht es nur einen der zwölf Songs, welche Irit Dekel und ihr musikalischer Partner Eldad Zitrin jetzt auf ihrem Album „Last Of Songs“ verewigt haben. Sie müssen sich lediglich den richtigen heraus suchen, mit dem nächsten nämlich begibt sich die Weltreise schon wieder auf gänzlich anderer Route hinaus aus der schnöden Wirklichkeit.

Es geht natürlich auch einfacher. „Wir glauben ja fest daran“, sagt Eldad Zitrin, „dass man auf all diese irgendwie magischen Orte an einem einzigen Platz in dieser Welt treffen kann: In Jerusalem“. Dort leben der Multiinstrumentalist, Songwriter und Arrangeur und die Sängerin, dort entstand auch „Last Of Songs“, und dort wäre wohl letztlich nach den vielen, scheinbar unergründlichen Geheimnissen hinter der Musik der beiden zu suchen. Dabei gründet sich ihr verwunschenes, märchenhaftes und offenbar verzaubertes musikalisches Universum durchaus auf Songs, die gemeinhin „Standards“ zu nennen sind und meist dem Genre Jazz entspringen. Titeln wie „No More Blues“ oder „Willow Weep“ allerdings, so dürfen wir hier erleben, sind ungeheuer tiefgründige oder eben auch überraschend unterhaltsame Seiten durchaus noch abzugewinnen. Weshalb ist das bloß bislang noch niemandem so vielfarbig und facettenreich gelungen wie diesen beiden Überzeugungstätern?

Irit Dekel lächelt, ihr Partner erklärt derweil Jerusalem zum wahren Melting Pot dieser Welt und ergo auch ihrer Songs und Arrangements. „Im Grunde“, sagt er, „könnte man noch viel weiter denken. Stell’ dir einfach einen Jazzclub in Persien oder eine Oriental Vibe Outdoor Show im Central Park New Yorks vor“. Und das müsste noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein, hinreichend viele Fingerzeige in eine kulturell heute vielleicht noch abenteuerlich erscheinende Zukunft enthält schließlich schon Dekels und Zitrins Album. Man höre sich nur „Get Happy“, diese exotisch tönende, cinematographisch angelegte Ode an, zu der sich den passenden Film zu ersinnen zwar leicht fällt, aber auch an Blasphemie grenzt. Man müsste immerhin den morgenländischen Muezzin mit der Erotik des Tangos und den Pop mit dem jüdischen Martyrium aus Jahrtausenden verbinden, bis das Ganze am Ende auch noch zur Titel-Melodie des nächsten James Bond-Blockbusters taugt.

Wir dachten angesichts dieser eigentlich unmöglichen und gerade deshalb so faszinierend wundervollen Musik an einen großartigen, jüdischen Witz. Da fragt ein Mann seinen Freund, der ständig per Schiff von New York nach Israel und wieder zurück reist, welches denn sein liebster Platz wohl wäre. „Naja“, sagt der, „das Schiff natürlich“. Eldad Zitrin nickt, „das hat viel mit unserer Musik zu tun. Wir hoffen auch, dass man sie überall in der Welt verstehen wird, zumindest ein bisschen. Und wenn wir wiederkommen, vielleicht ein bisschen mehr“. Dann haben sich die Menschen vermutlich schon einen Film zu diesen irgendwie unentrinnbaren Klängen erdacht, so wie Irit Dekel und Eldad Zitrin auch. „Nicht ohne Grund“, sagt Dekel, „gibt es schon zu zehn dieser zwölf Lieder ein Video. Manche davon erinnern an den italienischen Neorealismus, an Fellini oder de Sica, andere eher an das Israel der Siebziger. Unsere Musik kommt mir selbst oft wie ein Soundtrack zu wechselnden Beziehungen vor, ob nun zwischen Mann und Frau, Mensch und Gott oder allem Anderen, was am Ende irgendwie mit Liebe zu tun hat.“

Das Einzige, was nicht zur bisweilen überirdisch schönen Musik dieser beiden Enthusiasten passen will, sind die Bad News, die uns wieder und wieder aus ihrer Heimat erreichen. Oder doch? „Wir verwenden die Instrumente unterschiedlicher Kulturen und verbinden sie mit Liedern, die vor fast100 Jahren in Israel entstanden“, sagt Zitrin. „Wenn das in der Musik funktioniert, dann gibt es eigentlich keinen besonders guten Grund, weshalb Menschen unterschiedlicher Kulturen und Ländern nicht dasselbe gelingen könnte.“ Ohne Konjunktiv wäre das ein noch viel schönerer Satz. Der Musik von Irit Dekel und Eldad Zitrin allerdings tun Fragezeichen gut. Oder wollen wir wirklich wissen, warum etwa diese Frau so unwirklich ergreifend singt? Na bitte! Stefan Krulle

Eine Veranstaltung von 2GetherConcert
In Zusammenarbeit mit Musicas.de

Sa 27.02.2016

Afro-Luso Night

DINO D'SANTIAGO, CARMINHO & BLICK BASSY

Veranstaltungsort: Telekom Forum

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Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr

          

Kaum ein anderes Kontinent hat die Musik ab dem 19. Jahrhundert so beeinflußt wie Afrika. Eine besondere Verbindung gibt es in den portugiesisch-sprachigen Ländern zwischen der Semba, der Morna und dem Fado. Der Festivalabend im Telekom Forum beleuchtet diese wunderbare Verbindung mit der Afro-Luso Night und drei großartigen Vertreter dieser Musik.

Den Abend eröffnen wird Dino D'Santiago aus Cabo Verde. Er gilt als einer der großen Musiker seines Landes und präsentiert mit seinem neuen Album "Den Tu Bó". Anschließend wird die portugiesische Sängerin Carminho auftreten.

"Als neue Stimme des Fado wird Carminho in ihrer Heimatstadt Lissabon und in ganz Portugal verehrt." Ihr Debut "Fado" stieg auf Platz 2 der Album Charts ein, erreichte innerhalb kürzester Zeit Platinstatus und wurde vom „Time Out“ Magazin als „das beeindruckendste Fado-Debüt in Jahrzehnten“ betitelt. Es folgten weitere Konzerte in Weltmetropolen wie Amsterdam, Madrid sowie Kopenhagen und Paris anlässlich des UNESCO Hauptsitzes, der den Fado als Weltkulturerbe erklärte. Ihr aktuelles Album „Canto" ist direkt als Nummer 1 in die portugisischen Charts eingestiegen und hat bereits Goldstatus erreicht.

Als dritter Künstler wird Blick Bassy aus Kamerun auftreten. Blick Bassy ist ein Magier - stimmlich und an der Gitarre. Im "Soundtrack von…" spricht das kamerunische Ausnahmetalent von seinem brandneuen Album "Akö", welche Platten sein Vater damals zu Hause hörte und von seiner ersten schönen Erinnerung an Musik.

Er ist der neue Shooting-Star aus Frankreich: Blick Bassy verbindet den Blues vom Mississippi-Delta mit seiner Muttersprache Bassa, eine von 260 Sprachen Kameruns. Schon mit fünf Jahren sang er im Kirchenchor, mit elf Jahren fing er an Gitarre zu spielen und zog später in die Hauptstadt Yaoundé - wo ihm Jazz und Bossa Nova näher gebracht wurden. Seit 2005 lebt er in Frankreich und avancierte zum Star des Global Pop.

Die Songs des 41-jährigen Singer/Songwriters handeln von der Landflucht in seiner Heimat, von der Suche nach der eigenen afrikanischen Geschichte, von seiner Kindheit und von der Liebe. 2009 erschien sein Soloalbum "Leman", 2011 "Hongo Calling" - thematisch an den Hongo-Rhythmus angelehnt, und nun liegt der Nachfolger "Akö" vor. In Frankreich und England derzeit von den Kritikern gefeiert widmet er sich auf dieser Platte dem Erbe der Blueslegende Skip James. Eingespielt mit Gitarre, Cello, Banjo, Posaune und einem Hauch Mundharmonika, eröffnet sich ein völlig neuer akustischer Raum: filigran, poetisch und elegant.

Eine Veranstaltung von 2GetherConcert

So 28.02.2016

FLAVIA COELHO

Bossa Muffin'

Veranstaltungsort: Harmonie Bonn
Einlass: 18:00 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr

    

Flavia wurde als Nomadin geboren. Den Durst nach Abenteuer hat sie von ihrer Mutter geerbt, die eine der ersten Kosmetikerinnen für Transvestiten des Viertels São Gonçalo in Rio de Janeiro war. Zu Hause hörte sie in voller Lautstärke Diana Ross, Nina Hagen und die populären brasilianischen Chanson-Diven Gal Costa und Maria Bethania, während ihr Vater Musikkassetten mit der traditionellen Musik des Nordostens sammelte. Als kleines Mädchen wurde Flavia von Forró und der brasilianischen Griot-Musik beeinflusst.

Sie war erst 14 Jahre alt, als sie auf eine Zeitungsannonce antwortete, um einer Gruppe von Mädchen, den „As Solteirissimas“ („Die Singles“), beizutreten, die eine neue Sängerin suchten. Von nun an führte sie ein Doppelleben! Sie sang insgeheim in Bars und trainierte unermüdlich Stimme und Rhythmusgefühl für alle Stilrichtungen, von Grunge bis Punk, über Rock und Jazz, bis Rap und Pop.

Sie verließ Rio im Jahr 2006, als sie allmählich bekannt wurde, um in Paris, der Stadt ihrer Träume, einen Neuanfang zu machen.

Vom kamerunischen Gitarristen und Bassisten Pierre Bika Bika lernte sie die afrikanischen Stilrichtungen und Rhythmen und komponierte mit ihm ihr erstes Album Bossa Muffin, das von Attila Victor Vagh produziert und im Jahr 2011 veröffentlicht wurde. Von da an ging es munter auf und ab, woraufhin sie den ersten Preis als bester weiblicher Newcomer in Form einer Gold-Trophäe auf dem Festival Génération Réservoir gewann. 120 Konzerte und 20.000 Schallplatten später hat Flavia Coelho die Welt endgültig verzaubert...

Flavia erfindet neue Klangstrukturen, die auf der brasilianischen Musikkultur aufbauen. Stärker als ihr Debut-Album Bossa Muffin, knüpft ihr neues Album Mundo Meu (Meine Welt) an ihre Wurzeln an, worin sie uns von ihrer Vergangenheit erzählt und uns in den Großstadtdschungel und den Dialekt ihrer Muttersprache entführt.

Eine Veranstaltung von 2GetherConcert

Mo 29.02.2016

RABIH ABOU-KHALIL TRIO

Hungry People - CD Präsentation

Veranstaltungsort: Harmonie Bonn
Einlass: 19:00 Uhr | Beginn: 20:00 Uhr

    

Zwei Jahre später, in dem Jahr in dem er seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, macht er sich mit "Songs For A Sad Women" ein Geschenk von elegischer Schönheit. Die Musiker, die er dieses Mal um sich schart, sorgen alleine durch die Instrumentierung für ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Neben der Oud des Protagonisten tragen die armenische Schalmei (Duduk), eine mittelalterliche Bass-Zink (Serpent) und ein Schlagzeug zu einem seltenen Hörerlebnis bei.

Der Gaststar des Albums, Gevorg Dabaghyan, gehört zu den führenden Virtuosen am Duduk, einem archaischen Oboeninstrument. Berühmt wurde er durch seine Kollaborationen u.a. mit Jan Garbarek oder Yo-Yo Ma und dessen Silk Road Project. Abou-Khalils langjähriger Begleiter, der Franzose Michel Godard, legt für "Songs For A Sad Women" seine Tuba zugunsten des Serpents zur Seite. Das Serpent ist ein Renaissance-Blasinstrument aus einem schlangenförmig gewundenen und mit Leder überzogenen Holzrohr. Am Schlagzeug agiert Jarrod Cagwin.

Auf "Em Português" erforscht der ewig Suchende 2008 unbekanntes Terrain. Mit "glaub mir, das ist das Ausgeflippteste, was ich bis jetzt gemacht habe", kommentiert er das Projekt, das er gemeinsam mit dem portugiesischen Sänger Ricardo Ribeiro realisiert. Als der Direktor des Theater Porto ihm 2004 vorschlägt, portugiesische Poeme zu vertonen, denkt Khalil zwar zunächst "das ist, als würde man einen afghanischen Komponisten fragen, ob er nicht auf Deutsch Goethe-Gedichte vertonen wolle." Doch der Hunger kommt beim Essen!

Rabih Abou-Khalil hat sich als Komponist und Instrumentalist auch in der Avantgarde der arabischen Musik längst einen gewichtigen Namen gemacht. Und nicht etwa nur, weil er seiner Zeit weit voraus wäre - vielmehr weil er so manches in Frage stellt, was andere ohne weiteres Nachdenken übernehmen. Er hat mit seiner originellen Kompositionstechnik, durch ungezwungene Fortführung und gewagte Auslegung der klassischen arabischen Regeln eine eigene Klangsprache geschaffen. Im zur Ausweitung tendierenden Jazz stellen seine einmaligen Interpretationen mit erfahrenen Meistermusikern, sicher alles in den Schatten, was bisher an Fusion mit nahöstlicher Musik versucht wurde. Im Auftrag des Südwestfunks schrieb Abou-Khalil zwei Stücke für Streichquartett in dem für ihn typischen stark rhythmisch und melodisch geprägten Kompositionsstil. Die Uraufführung mit dem Kronos String Quartet war einer der Höhepunkte beim Jazz-Gipfel 1992 in Stuttgart. Auf seiner CD ,,Arabian Waltz" mit dem Balanescu String Quartet gelang es ihm, das Streichquarett, eine jahrhundertealte Domäne der klassischen Musik, in sein musikalisches Denken zu integrieren. Das - oberflächlich betrachtet - willkürliche Aufeinandertreffen von vermeintlich gegensätzlichen Instrumenten und das scheinbar widersprüchliche Zusammenprallen von Talenten aus verschiedenen Musikrichtungen ist das Resultat eines von Abou-Khalil wohlüberlegten Konzepts.

Die bestehenden Unterschiede geraten nämlich unter seiner Regie keineswegs zu babylonischer Verwirrung: Vielmehr werden hier weltoffene Musiker aus verschiedenen kulturellen Hintergründen von einem gemeinsamen intuitiven Verstehen der ernsten Herausforderung inspiriert, welche die Interpretation der Musik Abou-Khalils an sie stellt. Intellektuelle und emotionale Identifikation mit seinen Kompositionen führt zu einer sich immer wieder steigernden Begeisterungsfähigkeit jedes der Aufführenden bis hin zu bisher ungekannter Meisterschaft, die sich mühelos auf das Publikum überträgt. Jedoch der Wunsch, sich zu profilieren, ist nie wichtiger als die Bereitschaft, vereint etwas Neues durchzusetzen und in unberührte Gefilde vorzustoßen. Die verschiedenartigen, aber letztlich alle aus diesem Elixier geschaffenen Werke Abou-Khalils haben sich so weit verselbständigt, dass sie außerhalb der Konventionen stehen und sich daher nur schwer in bestehende Kategorien einordnen lassen. Ein Nachsinnen über Orient oder Okzident, Jazz, Weltmusik oder Klassik erübrigt sich also. Auch eine andere Hochburg der westlichen Musik hat Abou-Khalil schon betreten, das Orchester. Einem Auftrag der Stadt Duisburg folgend, schrieb er Musik für das Ensemble Modern, eines der renommiertesten, aus internationalen Musikern bestehenden Orchesters für zeitgenössische Musik. Zudem schrieb er für das BBC Concert Orchestra in London und Chichester uraufgeführte Werke. "Während der Zusammenarbeit mit Rabih Abou-Khalil fühlte ich mich stark an einen Probenausspruch von Herbert von Karajan erinnert, der lautete: 'Nicht den Taktstrich mitspielen, über den Taktstrich hinaus spielen.' Unglaublich feingliedrige, unregelmäßige Rhythmen zu Melodieketten geformt, die sich im unentwegten Schwebezustand befinden, niemals zur Landung antreten und daraus ein hohes Maß an Charme und Sogwirkung beziehen", fasst der Flötist des Ensemble Modern, Dietmar Wiesner, seine Eindrücke aus den Proben zusammen. Abou-Khalils Musik lebt von der kreativen Begegnung und nicht von der Exotik. Aus ganz verschiedenen Kulturelementen entsteht hier etwas Eigenes und in sich Schlüssiges, keine Chimäre, kein Wolpertinger - halb Hase, halb Ente - sondern etwas Lebendiges und Schönes, wie ein "Blaues Kamel'.

Rabih Abou-Khalil bildet mit seiner Gruppe einen musikalischen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, ethnischer Musik und Jazz, Tradition und Moderne. Elemente der Verzierung mit Ornamenten und Melismen geben zusammen mit einer einzigartig fintenreichen Rhythmik dieser Musik den tiefverwurzelten Halt, der den Melodie-instrumenten von der mächtigen Tuba über die arabische Laute, der Klarinette und dem Cello Ausflüge in bisher unbekannte Territorien erlaubt. Die bestehenden Kontraste zwischen den Musikern aus verschiedenen kulturellen Hintergründen, die auch zum Reiz dieser lebendigen Musik beitragen, werden überbrückt von einem gemeinsamen intuitiven Verstehen. Abou-Khalils Kompositionen stellen sicher, dass die Musik dem Verlangen nach Ausdruck der individuellen Talente gerecht wird, und verleihen jeder Aufführung eine internationale Komponente aus einem Guss, die man sonst in der sogenannten "Weltmusik" vergebens sucht.

"Wie ein endlos geflochtenes Band, voll von überraschenden Farbwechseln und geheimnisvollen Ornamenten, zieht der Strom seiner musikalischen Gedanken dahin...Im Paradox dieses "Arabischen Walzers" drängen immer wieder die uralten Klänge einer musikalischen Universalsprache durch alle reich wuchernden Arabesken hindurch an die tönende Oberfläche." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Eine Veranstaltung von 2GetherConcert

Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Bonn

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie als Schirmherr zum Music Diversity Festival „OVER THE BORDER“ in Bonn begrüßen zu können. Innovative Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern werden vom 25. bis 29. Februar 2016 die Klänge der Welt hier in Bonn zusammenführen. Dabei verbinden sie ihre musikalische Tradition mit der heutigen Realität. Dadurch wird der in Deutschland angestaubte Begriff der Weltmusik neu definiert und musikalische wie geografische Grenzen überschritten, um Tradition und Moderne zu vereinen.

Das Festival passt hervorragend nach Bonn, denn unsere Stadt ist eine weltoffene und internationale Stadt, in der Menschen aus fast allen Ländern der Welt zuhause sind. Unser Motto ist, Niemanden auszugrenzen und Toleranz und Respekt im Umgang miteinander zu üben. Offen für Neues und Unbekanntes zu sein und Vielfalt als Chance zu begreifen, das ist unser Anliegen. Damit haben wir in Bonn gute Erfahrungen gemacht. Vor allem mit Musik kann man Menschen unabhängig von ihrer Sprache, Herkunft oder Religion erreichen. Daher hat unser Kulturamt bewusst den Bereich der Weltmusik als eine von drei Säulen benannt, die neben Klassik und Jazz die musikalische Szene der Stadt nachhaltig prägen sollen.

Überzeugen Sie sich selbst und besuchen Sie die verschiedenen Veranstaltungen. Bonn heißt Sie herzlich willkommen und dankt Herrn Manuel Banha als Initiator und Organisator für die Durchführung des Festivals in unserer Stadt.

Ihr Ashok Sridharan

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